Kompostierung ist der geschlossenste Kreislauf im Garten: Gartenabfälle werden zu wertvollem Dünger, der wieder den Pflanzen zugute kommt. Ein guter Komposter ist dabei nicht nötig – aber er hilft, den Prozess zu beschleunigen und das Ergebnis zu verbessern.
Warum kompostieren?
Kompost verbessert den Boden dauerhaft besser als jeder Mineraldünger:
- Bodenstruktur: Humus verbessert die Wasserhaltefähigkeit sandiger Böden und die Durchlüftung toniger Böden
- Bodenlebewesen: Kompost ist voll von Mikroorganismen, Pilzen und Würmern – das Fundament gesunder Pflanzen
- Nährstoffe: Kompost liefert alle wichtigen Makro- und Mikronährstoffe in langsam verfügbarer Form (kein Verbrennen der Wurzeln)
- Nachhaltigkeit: Küchenabfälle und Gartenabfälle landen im Kreislauf statt im Restmüll
- Kostenfrei: 1.000 Liter Kompost pro Jahr kosten nichts außer etwas Zeit
Arten von Kompostern
1. Offene Kompostmiete (kein Kaufprodukt)
Die einfachste Methode: Material wird einfach in einer Ecke des Gartens aufgeschichtet.
Vorteile: Keine Kosten, unbegrenzte Größe, leichtes Umsetzen
Nachteile: Nicht schön, Geruch bei falscher Befüllung, Schädlinge möglich
Geeignet für: Große Gärten mit viel Schnittgut, ohne Nachbarbeschwerden
2. Kunststoffkomposter (klassische Form)
Die bekannteste Form: Ein Kunststoffbehälter mit Deckel und oft einer Klappe unten zur Entnahme.
Vorteile: Günstig, platzsparend, ordentlich
Nachteile: Langsame Kompostierung, Belüftung oft unzureichend, kein Umsetzen möglich
Preis: 20 bis 80 EUR
Fassungsvermögen: 300 bis 1.000 Liter
3. Holzkomposter
Aus Holzlatten oder Paletten selbst gebaut oder fertig kaufen.
Vorteile: Natürliches Material, bessere Belüftung als Kunststoff, optisch ansprechend
Nachteile: Holz verrottet über Zeit selbst, teurer als Kunststoff
Preis: 80 bis 200 EUR fertig, oder selbst gebaut mit Paletten fast kostenlos
Fassungsvermögen: 400 bis 2.000 Liter
Tipp: Ein Zwei-Kammer-System (eine Kammer befüllen, eine reifen lassen) ist viel praktischer als ein einkammriger Komposter.
4. Thermokomposter (Schnellkomposter)
Isolierter Kunststoffbehälter, der sich schneller erwärmt als normale Komposter.
Vorteile: Kompostierung in 4 bis 8 Wochen möglich, hygienischer, tötet Unkrautsamen und Krankheitserreger ab
Nachteile: Teurer, braucht regelmäßige Befüllung und Pflege, klein
Preis: 100 bis 300 EUR
Fassungsvermögen: 250 bis 600 Liter
Geeignet für: Gärtner, die schnell Kompost brauchen und bereit sind, mehr Zeit zu investieren
5. Wurmkomposter
Für Balkon und Terrasse oder drinnen: Würmer verarbeiten Küchenabfälle zu hochwertigem Wurmhumus.
Vorteile: Für kleine Mengen ideal, sehr hochwertige Endprodukt (Wurmhumus), platzsparend
Nachteile: Für große Gartenabfälle ungeeignet, Würmer brauchen Pflege
Preis: 50 bis 150 EUR
Geeignet für: Balkonbesitzer, Menschen mit wenig Gartenabfällen
Standort richtig wählen
| Kriterium | Empfehlung |
|---|---|
| Licht | Halbschatten (Sonne trocknet aus, Schatten kühlt zu stark) |
| Boden | Direkt auf Erde (kein Beton/Pflaster) |
| Abstand Haus | 5 bis 10 m empfohlen |
| Abstand Nachbar | Gesetzlich kein Mindestabstand, aber 1 m Abstand zur Grenze ist fair |
| Erreichbarkeit | Bequem erreichbar, damit er genutzt wird |
In der Praxis bewährt sich ein halbverdeckter Platz, etwa hinter dem Geräteschuppen oder einer Hecke: Der Komposter bleibt kurz erreichbar, stört aber den Blick auf den Garten nicht.
Direkter Bodenkontakt ist wichtig: Regenwürmer, Asseln und Mikroorganismen müssen von unten einwandern können. Auf Beton oder Kunststoff dauert die Kompostierung wesentlich länger.
Was kommt in den Komposter?
Geeignetes Material
Küchenabfälle:
- Obst- und Gemüsereste (roh)
- Kaffeesatz und Papierfilter
- Teebeutel (ohne Metallklammer)
- Eierschalen
- Brot (in kleinen Mengen, nicht schimmeliges)
Gartenabfälle:
- Rasenschnitt (in dünnen Schichten, nicht zu viel auf einmal). Arbeitest du mit einem Mähroboter ohne Begrenzungsdraht, fällt kaum Schnittgut an, weil das feine Mulchgut direkt auf der Fläche liegen bleibt
- Laub (außer Walnuss – Juglone hemmt die Kompostierung)
- Heckenschnitt (gehäckselt), zum Beispiel das Material vom Sommerschnitt einer Hainbuchenhecke
- Staudenreste
- Erde aus alten Töpfen
Papier/Karton:
- Zeitung, Karton (zerrissen, nicht laminiert)
- Küchentücher
Nicht in den Komposter
- Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Gekochtes (lockt Schädlinge)
- Kranke Pflanzen (Krankheiten können überleben)
- Walnussblätter
- Hundekot (Parasitengefahr)
- Invasive Unkräuter mit Samen (Giersch, Vogelmiere – wenn die Temperatur nicht hoch genug ist, keimen die Samen im Kompost)
- Plastik, Glas, Metall
Die richtige Befüllung: Das Mischungsverhältnis
Kompostierung braucht das richtige Verhältnis von kohlenstoffreichem Material (Braun) zu stickstoffreichem Material (Grün):
| Material | Typ |
|---|---|
| Rasenschnitt, frische Kürbisblätter | Grün (N-reich) |
| Laub, Stroh, Holzspäne, Karton | Braun (C-reich) |
Ideales Verhältnis: 2 Teile Braun : 1 Teil Grün
Zu viel Grün = Matsch und Geruch
Zu viel Braun = sehr langsame Kompostierung
Kompost pflegen und beschleunigen
Feuchtigkeit
Kompost muss feucht sein wie ein ausgedrückter Schwamm – nicht nass, nicht trocken. Im Sommer bei Trockenheit mit der Gießkanne befeuchten.
Belüftung
Regelmäßiges Umsetzen (alle 4 bis 8 Wochen) bringt Sauerstoff ins Material und beschleunigt die Zersetzung erheblich. Mit einer Kompostgabel von oben nach unten stechen oder komplett umschichten.
Kompostbeschleuniger
Fertige Kompostbeschleuniger aus dem Handel (Granulate mit Mikroorganismen und Enzymen) können helfen, sind aber kein Wundermittel. Hausgemachte Alternativen:
- Hornmehl (stickstoffreich)
- Gesteinsmehl (Mineralstoffe)
- Brennnesseljauche
Reifen Kompost erkennen
Reifer Kompost ist:
- Dunkelbraun bis schwarz
- Krümelig und locker
- Riecht nach Waldboden
- Keine erkennbaren Ausgangsmaterialien mehr
Unreifer Kompost (nur teilweise verrottet) kann als Mulch verwendet werden, sollte aber nicht direkt in die Erde eingearbeitet werden – er bindet beim weiteren Verrotten Stickstoff aus dem Boden.
Kompost richtig anwenden
- Gemüse- und Staudenbeete: 2 bis 5 Liter/m² im Frühjahr einarbeiten
- Rasen: 1 bis 2 Liter/m² fein gesiebt aufstreuen (Topdressing)
- Kübel und Töpfe: Max. 20 bis 30% Kompostanteil in der Mischung
- Hochbeet: Kompost bildet eine der wichtigsten Schichten, wenn du ein Hochbeet richtig befüllst
- Bäume und Sträucher: Kompost als Mulch rund um die Pflanze auftragen, nicht eingraben
